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Der Schnapphahn

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Seit seiner Gründung im Dezember 2010 hat der "Schnapphahn in der Babinischen Republik" sich als lebendiger Organismus erwiesen. Am Anfang stand hauptsächlich der Einzelhandel im Mittelpunkt, ergänzt durch ein lockeres Angebot an Büchern aus dem Bereich der literarischen Besserwisserei, also der Satire oder dem Feuilleton. Dies war das Reich des Schnapphahn.
Die "Kanzel" als Ort für Lesungen, Vorträge und kleinste szenische Stücke repräsentierte die Erinnerung an die "Babinische Republik" und vervollständigte das vorgegebene Motto:
"Zwischen Trinkkultur und Kulturkritik"

Mittlerweile hat sich der Laden sehr viel weiter entwickelt. Der Einzelhandel für Obstbrandraritäten steht immer noch im Vordergrund. Hinzugekommen ist eine schöne Auswahl von Weinen, hauptsächlich aus Deutschland und Frankreich. Zugleich aber ist er Treffpunkt für die Nachbarschaft geworden, zuweilen Diskussionsforum oder Stammtisch, es werden Geburtstage gefeiert, geprobt - auch öffentlich oder einfach nur Umtrunk gehalten.
Soweit es die knapp 50 qm und die Fitness des Schnapphahn zulassen.

Wer will, kann sich und seine Liebsten auch mit selbst mitgebrachtem Essen versorgen. Nach wie vor kann die "Kanzel" als Podium für das eigene literarische oder wissenschaftliche Oeuvre genutzt werden. Und die Bücher - die bekommen ihren eigenen Platz in der alten Küche - die dann auch als (Lese-)Separee genutzt werden kann.

Aus dem Schnapphahn ist ein offener Ort für viele Gelegenheiten, Charaktere, Professionen und Altersstufen geworden. Dafür sei allen gedankt, die ihn dazu gemacht haben.

Innenansicht

Babinische Republik

Der Zusatz"... in der Babinischen Republik" spielt auf ein bestimmtes künstlerisches Genre an. Satire, politisches und literarisches Kabarett, Feuilleton und Artverwandtes sollten und sollen den Schwerpunkt der Worte von der Kanzel bilden. Aber garantiert nicht ausschließlich.

Was aber ist die Babinische Republik. In der heutigen Terminologie würde man sie vermutlich eine intellektuelle Spaßguerilla nennen, deren Aufgabe es ist, als Badbank für alles lästige und unzumutbare in der öffentlichen sozialen Umgebung zu dienen.

Tatsächlich wurde sie vor knapp 450 Jahren von knochenharten Intellektuellen in Polen gegründet und besaß ziemlichen Einfluß auf das öffentliche Leben. Sie bestand über 100 Jahre sank aber mit ihrem Spott nach und nach auf Pro-7-Niveau herab und verlor damit ihre Wirkungsmacht.

Karl-Friedrich Flögel hat um 1780 in seinem Werk "Die Geschichte des Grotesk-Komischen, Bd. II Seiten 350-352 die Babinische Republik folgendermaßen beschrieben

Um das Jahr 1568 wurde in der Woiwodschaft Lublin von einigten polnischen Edelleuten eine lustige Gesellschaft gegründet, die sie Babinische Republik nannten nach dem Landgute Babin, das Psomka, einem der Stifter gehörte.
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Damit aber die Babinische Gesellschaft ein höheres Ansehen erlange, gaben die Gründer ihr die Staatsverfassung von Polen. Sie wählten einen König, einen Reichsrat, Erzbischöfe und Bischöfe, Woiwoden, Kastellane, Kanzler und andere Würdenträger mehr. Diese Amter wurden auf folgende Art übertragen.

Sobald sich jemand durch eine Absonderlichkeit hervortat oder etwas äußerte, was gegen Anstand, Herkommen oder Wahrheit lief, so wurde er zum Mitglied der Babinischen Narrenrepublik ernannt, und zwar wurde ihm eben das Amt aufgetragen, das in Beziehung zu seinen Albernheiten oder Verstößen stand. Bramarbasierte jemand mit Schlachten, Kriegen, Belagerungen, Totstechen und Hauen, so wurde er Krongroßherr und Ritter vom goldenen Sporn. Sprach er Dinge, die er nicht verstand, machte man ihn zum Erzbischof. Redete er über Politik, mischte das Hundertsteins Tausendste, wurde er Großkanzler. Wer zur Unzeit von Religion anfing und sich des geistlichen Hochmuts schuldig machte, wurde Hofprediger. Wer sich nur von Pferden, Hunden, Falken und Fuchsjagden unterhalten konnte, wurde zum Krongroßjägermeister erwählt. Und bald gab es kein Amt in Polen, das man nicht auch in der Republik Babina nach Stand und Würden besetzt fand. Einige erhielten aber auch ganz besondere Würden. So wurden Infanten von Spanien, Favoriten und Hofnarren ernannt. Wenn nun jemand zum Mitglied dieses komischen Staates erwählt wurde, fertigte man ein Patent unter dem großen Siegel aus, überreichte es ihm mit allerlei Zeremonien, und der Neuerwählte mußte es ehrerbietig stehend annehmen. Weigerte er sich, in den Orden zu treten, so wurde er so lange verspottet, bis er sich dem Willen der Gesellschaft fügte.

Diese Republik erhielt endlich so weiten Umfang, daß man selten unter dem Senat, der Geistlichkeit, den Hofleuten und anderen Ständen des Reichs eine Person fand, die nicht ein Amt in ihr bekleidete.

Als die Sache vor den König Sigismund August II. kam, bezeigte er sein Wohlgefallen über diesen komischen Staat und fragte, ob er auch einen König hätte, worauf der Starost der Republik antwortete : „Fern sei es von uns, allerdurchlauchtigster König, daß wir, so lange Sie leben, einen andern König wählen sollten; Sie sind auch unser Oberhauptl" Der König nahm diese Antwort sehr gnädig auf und lachte darüber.

Als einst einer der Gesellschaft das Reich Alexanders des Großen, die babylonische, persische und römische Monarchie, mit hochtrabenden Worten lobte, entgegnete ihm einer der Anwesenden: »Was machen Sie so viel Gelärme über das Altertum und die Größe seiner Staaten? Unsere Babinische Republik ist älter als die persische und griechische, ja als alle Monarchien. Denn David hat schon von ihr gesagt: alle Menschen sind Lügner; und das ist ihr Grund, darin besteht ihr Wesen; daher müssen Darius, Alexander der Große und die ganze Welt zu ihr gehören."

Die höchste Wahrhaftigkeit und ein feiner Umgangston der Mitglieder unter sich war Pflicht. Scherz und Satire durften niemals beleidigend oder verletzend wirken.

Weil diese Gesellschaft jedes Laster, jede Schwäche der Lächerlichkeit preisgab, wurde sie in kurzer Zeit der Schrecken, die Bewunderung und der Zuchtmeister ihrer Landsleute. Mißbräuche, die sich in der Regierung und der bürgerlichen Gesellschaft eingeschlichen hatten, wurden durch wohlangebrachte Satire abgeschafft; die Mitglieder bekümmerten sich um Dinge, von denen sie vorher gesprochen, aber nichts verstanden hatten. Einer lernte vom andern, indem sie ihre Ansichten austauschten, denn es befanden sich unter ihnen die klügsten Köpfe der Nation,die selbst beim Könige im größten Ansehen standen. So hat Petrus Cassovius lange Zeit das Richteramt in der Woiwodschaft Lublin geführt und ist mehr als einmal zum Landboten beim Reichstage erwählt werden. Besonders Cassovius als Kanzler und Psomka als Starost der Babinischen Republik waren bei Fürsten und Adligen wegen ihres Verstandes und ihrer Einfälle sehr beliebt.
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Heute ist keine Spur von dieser Gesellschaft mehr vorhanden. Sie entartete, und die klugen Köpfe erhielten Possenreißer zu Nachfolgern, die ihr Reich selbst zerstörten .

Besuche Uns

  • Der Schnapphahn in der Babinischen Republik
  • Dresdener Straße 14, 10999 Berlin
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